ECMO-Transport-Programm an der Uniklinik Köln
24-Stunden-Erreichbarkeit: 0221-478-88293
Die Klinik für Herzchirurgie verfügt durch die Anwendung der Herz-Lungen-Maschine (HLM) im Rahmen herzchirurgischer Operationen über viel Expertise und Erfahrung bei der Anwendung von Herzunterstützungssystemen und insbesondere auf dem Gebiet der extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO). Mit Gründung des interdisziplinären ECMO-Zentrums im Jahr 2011 in Kooperation mit den Kliniken I und III für Innere Medizin sowie der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin konnte die Behandlung an der Uniklinik Köln auf alle Fachbereiche und darüber hinaus auch auf externe Kliniken ausgeweitet werden. Durch die Vernetzung und die exzellente interdisziplinäre Zusammenarbeit konnte das gesamte Spektrum der temporären und permanenten Herzunterstützung an einem Standort in Köln überregional bis weit über die Stadtgrenzen hinaus abgedeckt werden.
Bisher wurden im Rahmen des Programms über 500 ECMO-Systeme implantiert. Insgesamt umfasst das Behandlungsspektrum über 300 Patienten, die nach herzchirurgischer Operation (Postkardiotomie) einen kardiogenen Schock (PCS) entwickelten und mit einer ECMO versorgt wurden. Darüber hinaus wurden bislang mehr als 100 Patienten aus externen Kliniken mit einer mobilen ECMO versorgt und gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr der Stadt Köln für weitere kardiologische und/oder herzchirurgische Diagnostik und Therapie in die Uniklinik Köln gebracht. Im Herzkatheterlabor des Herzzentrums der Uniklinik Köln haben die Experten zudem zusätzlich mit einer ECMO im Sinne einer „extrakorporalen“ kardiopulmonalen Reanimation (eCPR) mehr als 100 Patienten versorgt, die aufgrund einer akuten Notfallsituation eine kardiopulmonale Reanimation (CPR) benötigten und nicht zu stabilisieren waren.
Durch unsere langjährige Expertise vor Ort und bei Bedarf mit der Möglichkeit zur ECMO-Behandlung an weiter entfernten externen Standorten (Herzkatheterlabore, Intensivstationen, etc.) ist eine schnelle und sichere Versorgung der Patienten durch das ECMO-Team der Uniklinik Köln stets gewährleistet.
Das interdisziplinäre ECMO-Programm gliedert sich in drei wesentliche Kernbereiche:
1. Campusweite fächerübergreifende Versorgung an der Uniklinik Köln

Die interdisziplinäre Versorgung der Patienten mit protrahiertem Herz- oder Lungenversagen an der Uniklinik Köln erfolgt mittels eines stationären ECMO-Systems (Rotaflow Maquet GmbH & Co. KG, Rastatt, Germany).
Die flächendeckende Versorgung mittels ECMO-Systems umfasst alle Bereiche an der Uniklinik, sodass im interdisziplinären Austausch eine patientenangepasste Therapie auch unter ECMO-Unterstützung schnell und effizient erfolgen kann.
2. Versorgung außerklinischer Patienten mit Herz-Kreislaufstillstand
Die Herzchirurgie, die Kardiologie und die Feuerwehr der Stadt Köln bieten gemeinsam die Möglichkeit zur Durchführung einer eCPR im Herzzentrum der Uniklinik Köln für das gesamte Stadtgebiet Köln und das Kölner Umland an. Zusammen wurde dafür ein standardisierter Algorithmus entwickelt und etabliert. Patienten werden nach Prüfung entsprechender Kriterien unter kardiopulmonaler Reanimation in das Herzkatheterlabor des Herzzentrums transportiert. In interdisziplinärer Absprache werden bei gegebener Indikation die Patienten primär mit einer ECMO versorgt, gegebenenfalls erfolgt im Anschluss eine koronarangiographische oder weiterführende bildgebende Diagnostik. Die Weiterbehandlung der initiierten ECMO-Therapie erfolgt durch speziell geschultes Personal auf der herzchirurgischen Intensivstation (Leitung Priv.-Doz. Dr. Antje-Christin Deppe).
3. ECMO-Transportprogramm
Das ECMO-Team kann Patienten aus peripheren Krankenhäusern mittels eines transportablen ECMO-Systems stabilisieren und gemeinsam mit der Feuerwehr der Stadt Köln für weitere diagnostische Maßnahmen und Therapieformen in die Uniklinik Köln bringen. Für diese Transporte wird das mobile System (Cardiohelp, Maquet GmbH & Co. KG, Rastatt, Germany) verwendet. Dadurch sind sowohl bodengebundene als auch luftgebundene Transporte möglich.





Therapieoptionen und Indikationen
Neben der veno-arteriellen ECMO (vaECMO) zur Kreislaufaufrechterhaltung und kardiopulmonalen Unterstützung bei kardialem Pump- oder Kreislaufversagen, kann auch eine gezielte pulmonale Unterstützung mittels veno-venöser ECMO (vvECMO) bei isoliertem Lungenversagen etabliert werden. In speziellen Ausnahmefällen kann auch die Versorgung mittels veno-veno-arterieller ECMO (vvaECMO) notwendig werden.
Die häufigsten Indikationen zur vaECMO- und vvECMO-Therapie sind:
- Kardiogener Schock
- Postkardiotomie Syndrom (PCS)
- Akuter Myokardinfarkt (AMI)
- Kardiopulmonale Reanimation
- Perkutane Koronarintervention bei hämodynamisch instabilen Patienten
- Überbrückung bis zur Langzeitunterstützung oder Herztransplantation
- Akutes Lungenversagen (acute respiratory distress syndrome, ARDS)
- Pneumonie
- Lungenembolie
- Überbrückung bis zur Lungentransplantation
- Primäres Lungenversagen nach stattgehabter Lungentransplantation
Implantationstechniken
Das Herzzentrum hat langjährige Erfahrung in der Implantation von ECMO-Systemen. Sowohl perkutane als auch chirurgische Techniken kommen dabei zur Anwendung. Primär werden ECMO-Systeme per Punktion der Leistengefäße über ein Schleusensystem implantiert. Bei erschwerten anatomischen Bedingungen (Adipositas per magna, Gefäßanomalien, schwere Formen der pAVK) können spezielle Gefäßschleusen verwendet werden. Bei frustranen perkutanen Implantationen oder einer bereits im Vorfeld als schwierig eingestuften Anatomie kann die Implantation durch die Experten auch offen-chirurgisch mittels Freilegung der Leistengefäße erfolgen. In ausgewählten Notfällen kann auch die Öffnung des Brustkorbes (Sternotomie) mit zentralem Anschluss der ECMO indiziert sein.
Bei ausgeprägter Dilatation des linken Ventrikels kann eine gleichzeitige Verwendung weiterer mechanischer Kreislaufunterstützungssysteme notwendig sein. Neben der intraaortalen Ballonpumpe (IABP), haben in den letzten Jahren linksventrikuläre Unterstützungssysteme (z. B. Impella®) immer mehr an Bedeutung gewonnen. Anhand des vorliegenden echokardiographischen Befundes und der hämodynamischen Situation wird interdisziplinär die Indikation zur simultanen bzw. erweiterten Kreislaufunterstützung gestellt. Neben den zur Verfügung stehenden interventionellen (z. B. Impella 2.5®, Impella CP®, TandemHeart®) und chirurgischen (z. B. Impella 5.0) linksventrikulären Entlastungssystemen, kann auch eine direkte Entlastung des linken Ventrikels über die obere rechte Pulmonalvene (linksventrikulärer Vent) zum Einsatz kommen.
Kann mit den zur Verfügung stehenden temporären Kreislaufunterstützungssystemen dennoch keine Erholung der kardialen Pumpkraft erzielt werden, besteht die Möglichkeit, diese Patienten mit Langzeitunterstützungssystemen dauerhaft als Bridge-to-Recovery, Bridge-to-Transplant oder Destination Therapy zu versorgen.
Nach Ankunft der Patienten auf der Intensivstation erfolgt primär die Stabilisierung und eine weiterführende zielgerichtete Diagnostik. Durch die interdisziplinäre Vernetzung und Verfügbarkeit modernster medizinischer Behandlungsmethoden an der Uniklinik Köln sind auch spezielle Therapieformen im kurzen Intervall rund um die Uhr möglich. Kommt es zur Erholung der kardialen und/oder pulmonalen Organfunktion, erfolgt eine kontrollierte Entwöhnung von der extrakorporalen Zirkulation zeitgleich mit einer schrittweisen Übertragung der Herz- und Lungenarbeit für den Patienten. Prinzipiell besteht die Möglichkeit, Patienten auch unter laufender ECMO-Therapie wach werden zu lassen. Dadurch können weitere Therapieschritte, wie zum Beispiel die Möglichkeit der Implantation einer Langzeitunterstützung (LVAD), direkt mit dem Patienten besprochen werden. Dies ermöglicht auch die Berücksichtigung des Patientenwillens hinsichtlich der angebotenen Therapieoptionen. Im Zuge der ausgedehnten Patientenbehandlung mittels kurz- und langfristiger Herzunterstützungsmaßnahmen wird auch eine Betreuung der Angehörigen durch ein Team von Seelsorgern der Uniklinik Köln angeboten. Die gute Abstimmung mit den Angehörigen des betroffenen Patienten ist wichtig, um Therapiemöglichkeiten zu evaluieren und zu besprechen.
Wissenschaftliche Projekte

Durch die universitäre Struktur der Klinik und die Unterstützung der Medizinischen Fakultät nimmt die experimentelle und klinische Wissenschaft, insbesondere zur Verbesserung von Qualität und Patientensicherheit, einen zentralen Aspekt im ECMO-Programm ein. So konnte bereits in mehreren Großtierexperimenten der Einfluss einer simultanen Kreislaufunterstützung mittels ECMO und IABP untersucht werden. Geplant sind darüber hinaus weitere experimentelle Untersuchungen zur Bestimmung von Risikofaktoren und negativen Einflüssen einer eCPR auf die Organfunktionen im Großtiermodell. Diese Studien sollen helfen die Anwendung und die Ergebnisse von eCPR und ECMO-Therapie langfristig zu verbessern.
Durch die wissenschaftliche und klinische Erfahrung ist das Zentrum bereits seit 2017 Mitglied der sogenannten “Extracorporeal Life Support Organization“ (ELSO), welche als internationale Dachorganisation für spezialisierte Kliniken fungiert.
Kontakt
Für etwaige Rückfragen stehen Ihnen Klinikdirektor Univ.-Prof. Dr. Lenard Conradi (lenard.conradi@uk-koeln.de) sowie Programm-Koordinator Priv.-Doz. Dr. Ilija Djordjevic (ilija.djordjevic@uk-koeln.de) auch jederzeit telefonisch zur Verfügung (+49 221 478-32405). Bei Interesse stellen wir Ihnen das ECMO-Programm und unser Team im Rahmen eines Vortrags an Ihrer Klinik vor Ort vor und erörtern mit Ihnen zusammen die wichtigsten Bestandteile einer erfolgreichen ECMO-Therapie.
Bei bestehender Anfrage zur Versorgung eines Patienten mit ECMO stehen wir Ihnen unter der folgenden Notfallnummer rund um die Uhr zur Verfügung: +49 221 478-88293