Gutartige Lungentumore

Unter dem Begriff Tumor versteht der Mediziner eine Schwellung oder Geschwulst bzw. Neubildung, die nicht von vorn herein mit einer Krebserkrankung gleichzusetzen ist. Ein Tumor kann dementsprechend entzündlicher, gutartiger (benigne) oder bösartiger (maligne) Natur sein. Der Unterschied zwischen einem bösartigen und einem gutartigen Tumor ist, dass der bösartige zerstörend wächst. Das bedeutet, dass er umliegendes Gewebe zerstört, um die die Umgebung einzuwachsen. Er besitzt weiterhin die Eigenschaft der Metastasierung, das heißt dass er über die Angabe von Zellen in die Blut- oder Lymphbahn andere Organe und Gewebe erreichen und sich dann in Form von Tochtergeschwülsten, die wiederum zerstörend wachsen, dort absiedelt. Ein gutartiger Tumor besitzt diese Eigenschaften nicht. Nichts desto trotz kann er Beschwerden machen und auch Gewebe schädigen, indem er aufgund seiner Größenzunahme umliegende Organe und Gewebe eindrückt. In der Lunge fallen Tumore in den meisten Fällen als Zufallsbefunde in Form von soganannten Rundherden in Röntgenuntersuchungen auf. Allein aus dem Röntgenbild kann der Arzt keine Aussage zur Gut- oder Bösartigkeit des Tumors machen.

Ca. 1% aller in der Lunge vorkommenden Tumore sind gutartig.

Jedes Gewebe des Körpers besitzt das Potential, bösartig zu entarten und sich zu vermehren. Jedoch gibt es auch die Möglichkeit, dass normales, nicht entartetes Gewebe plötzlich einem starken Wachstum unterliegt und wuchert. Der am häufigsten in der Lunge vorkommende gutartige Tumor ist das sogenannte Hamartom. Diese Geschwulst besteht aus einer Mischung verschiedenem, in der Lunge vorkommendem Gewebe und wurde schon im Embryonalstadium angelegt. Sie können zum einen im Lungengewebe selbst, aber auch im Bereich der Atemwege vorkommen. Die meisten Hamartome liegen in den Randbereichen der Lunge, sodass sie keine Beschwerden verursachen. Jene, die im Bereich der Bronchien und Bronchiolen wachsen, können durch Schädigung von Blutgefäßen Bluthusten (Hämoptysen) hervorrufen. Hamartome wachsen relativ langsam. Sie besitzen jedoch hohes Potenzial, maligne zu entarten, weshalb empfohlen wird, sie möglichst schnell operativ zu entfernen.

Weitere benigne Tumoren:

TumorartGewebeart
AdenomeDrüsengewebe
PapillomeEpithelzellen (Oberflächenzellen von div. Geweben)
ChondromKnorpelgewebe der Bronchien
Leiomyomeglatte Muskelzellen
HämangiomeBlutgefäßgewebe
FibromeBindegewebe
LipomeFettgewebe

Neben den gutartigen Geschwülsten kann man auch entzündliche Prozesse als benigne Tumore bezeichnen, die jedoch unter der entsprechenden Therapie in der Regel rückbildungsfähig sind. Granulome z.B. sind Zellhaufen, die im Rahmen unterschiedlicher Infektions- und rheumatischen erkrankungen wie der Tuberkulose oder der Wegenerschen Granulomatose in der Lunge vorkommen können. Auch diverse Pilzinfektionen können rundliche Herde in der Lunge verursachen. Weiterhin können auch parasitäre Erkrankungen wie die Echinokokkose (Fuchs- und Hundebandwurm) rundherdartige Zysten in der Lunge hervorrufen.

Die meisten gutartigen Lungentumore machen keine Beschwerden und sind häufig Zufallsbefunde im Röntgen im Rahmen anderer Erkrankungen oder zur OP-Vorbereitung. Liegen die Geschwülste jedoch sehr nahe an Bronchien oder Bronchiolen, kann es zum einen wie schon erwähnt zu Bluthusten kommen. Weiterhin können große Geschwülste unspezifische Atembeschwerden wie Schmerzen beim Atmen, Luftnot und Husten hervorrufen.

Wurde ein Lungenrundherd auf einer Röntgenaufnahme zufällig entdeckt oder wurden bei oben genannten Symptomen andere mögliche Erkrankungen ausgechlossen, so kann die gezielte Anmanese (Erstgespräch mit dem Arzt) erste wegweisende Hinweise auf eine gut- oder bösartige Lungenerkrankung geben. Auch spezielle Blutwerte können Aussagen zu dieser Fragestellung machen. Zur weiteren Erhärtung des Verdachts empfiehlt sich eine Computertomographie der Lunge. Die endgültige Diagnose kann man jedoch nur anhand des Ergebnisses einer Gewebeprobe stellen. So ist es zum einen möglich Proben von Geschwülsten in Nähe der Bronchien im Rahmen einer Lungenspiegelung zu entnehmen. Bei Tumoren, die sich in den Randzonen der Lunge befinden, gestaltet sich dieses Verfahren leider schwierig. In diesem Falle würde man den Rundherd im Rahmen eines operativen Eingriffes vollständig entfernen und anschließend unter dem Mikroskop untersuchen. Stellt sich der Tumor nach Entfernung als gutartig dar, so ist in den meisten Fällen keine weitere Behandlung notwendig.

Einige gutartige Tumorarten, wie z.B. das Hamartom, haben ein hohes Entartungspotential und sollten aus diesem Grund zur Prophylaxe einer Umwandlung in einen bösartigen Lungenkrebs immer entfernt werden. Auch bei einigen entzündlichen Erkrankungen, wie der Echinokokkose empfiehlt man eine Entfernung der Herde. Hier stellt sich wieder die Frage nach der Lage des Herdes. Nahe an den Atemwegen gelegene Tumore können häufig über das Bronchoskop mit Hilfe eines Lasers abgetragen/verödet werden. Bei peripher gelegenen Herden bleibt häufig nur die operative Entfernung, die in vielen Fällen heutzutage minimal-invasiv (Schlüssellochchirurgie) durchgeführt werden kann. In einer solchen Thorakoskopie (Brusthöhlenspiegelung) werden ca. drei 1-2cm lange Hautschnitte vorgenommen, über die zum einen das Kamerainstrument und zum anderen die Arbeitsinstrumente wie Pinzette, Laser usw. eingeführt werden können  Leider gibt es immer wieder Herde, die für beide Varianten unzugänglich sind. In dieser Situation empfiehlt sich eine Thorakotomie, in der der Zugang zum Lungenabschnitt über einen ca. 7cm langen Schnitt an der seitlichen Brustwand gewonnen und der Herd unter Tasten aufgesucht und mittels Laser entfernt wird.

Sowohl bei der minimal-invasiven, als auch bei der konventionellen Variante wird gegen Ende des Eingriffs eine Thoraxsaugdrainage angelegt, die Blutreste und Luft nach Verschluss der Schnitte aus dem Brustraum saugt. Sie kann in der Regel 24 Stunden nach erfolgter Operation wieder entfernt werden.

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